ich baue mir ein Bambusrad

Lange habe ich drüber nachgedacht, was für ein Rad ich wohl als nächstes haben möchte. Ein unterschwelliger Gedanke war ja immer, was wohl das nächste Ding werden könnte, aber irgendwie war ich ja doch Happy mit meinem Rad. Mit einem Bambusrad liebäugel ich seit ein paar Jahren und kannte daher auch schon die Ozon Cyclery, den Workshop in Berlin am Ostkreuz. Nur war mir das alles für ein Zweitrad zu viel Arbeit und so habe ich es dann weit vor mir her geschoben. Aber da vor ein paar Wochen mein Rad kaputt gegangen ist, muss was neues her und da kam mir mein altes Vorhaben wie gerufen!

Tag 1Tag 2
Tag 3Tag 4

Tag 1  – Grundlagen im Rahmenbau

Gestern war es dann so weit. Seit gestern baue ich mir einen neuen Rahmen. Nur für mich. Und aus Bambus. Als ich mich zu dem Workshop angemeldet habe, hat Dan mich gefragt, was für ein Rad ich mir denn so vorstelle. Eigentlich hatte ich mir gedacht, dass ich sowas ähnliches haben möchte wie bisher: Ein Rennradrahmen und habe mir das auch nicht sonderlich kompliziert vorgestellt. Wieso auch? Ich baue mir den Rahmen und schraube alles dran, was bisher auch an meinem Rad ist. Die Laufräder tuns ja noch. Die Bremsen sind noch gut, Sattel und Lenker auch. Mehr Gedanken habe ich mir nicht gemacht und bin dann scheinbar gut vorbereitet zum Workshop gefahren. 

Am Samstag, dem 1. Workshop-Tag wurde ich aber eines besseren belehrt. Wenn ich grundsätzlich einen Rennradrahmen bauen möchte, dann haben die Ausfallenden eine Aufnahme für ein Schaltwerk. Und sie bieten mir die Möglichkeit Scheibenbremesen zu montieren. Klar. Scheibenbremsen sind was tolles und das will ich auch. ABER dann passen meine Paul Bremshebel nicht mehr. Und wenn ich eine Gangschaltung haben möchte, passen die normalen Brems-Schalthebel von einem normalen Rennrad nicht wirklich an meinen Bullhorn Lenker. Und das sind ja alles Dinge, die ich an meinem Rad auch wirklich mag. Dann hatte ich noch die Idee, dass ich mir ein elektrisches Schaltwerk kaufen könnte. Als ich kurz geguckt habe, was so ein Spaß kostet den Gedanken aber schnell wieder verworfen.

Bambusrahmen Konstruktions-Zeichnung
Bei meinem Bambusrad kontrolliert Dan noch mal die Konstruktionszeichnung

Also wurde mein Plan von einem Rennrad innerhalb eines Vormittages über den Haufen geworfen und jetzt baue ich mich ein Singlespeed mit Namen RAFA. Singelspeed bin ich auch vorher gefahren, fahre ich jetzt auch, mir fehlt in der Stadt keine Gangschaltung und dass an dem Rad fast nichts dran ist, was kaputt gehen kann, finde ich super!

Am ersten Tag habe ich also als erstes die Metallteile vorbereitet, dann nach 1/2 Tag alle Pläne über den Haufen geworfen und noch mal von vorne angefangen. Das Singlespeed braucht schließlich andere Ausfallenden und die Gabel ohne Scheibenbremsen braucht ein anderes Steuerrohr. Dass sowas auch so kompliziert sein muss!!!

Tag 2 – Der Bambusrahmen entsteht

Am Ende des ersten Tages hatte ich also die Metallteile vorbereitet, den Bambus ausgesucht, zugeschnitten und die unteren Streben vom Hinterbau mit Eloxidharz verleimt. Heute, am Sonntag konnte ich dann anfangen mein Fahrrad zu bauen. Heute war der wichtigste Tag. Also einer der vielen wichtigsten Tage, wahrscheinlich. Als erstes habe ich die Rahmenlehre eingestellt und meine ganzen Zuschnitte drangehalten. 

Bambusrahmen erste Anprobe
Die Rahmenlehre ist eingerichtet und alles passt irgendwie. Schon mal gut 🙂

Sieht ja schon mal gut aus.

Als Nächstes habe ich dann die Rohre passend angeschnitten und geschliffen. Hier muss man eine Atemschutzmaske tragen, weil Bambus zwar was tolles ist, aber Bambusstaub krebserregend sein soll. Dann wurden noch die Enden die noch verleimt werden angeschliffen und die Teile, die nackt bleiben sollen mit Frischhaltefolie eingewickelt. 

Bambusrahmen RAFA fixiert
Der Bambusrahmen ist frisch eingewickelt und nimmt langsam Form an.

Als nächstes kommt wieder Eloxidharz dran. Dieses Mal wird es mit einem seltsamen Pulver vermischt (ich muss beim nächsten Mal noch mal fragen, was für ein seltsames Zeug das ist)(heisst Microspheres und ist von der Firma Behnke) und wird so zu einer Modeliermasse, die aussieht wie Marshellow Fluff. Man fühlt sich zum probieren verführt, aber irgendwie konnte ich mich doch noch beherrschen. Die kurz mit Eloxidharz fixierten Teile wurden jetzt großzügig verspachtelt.

Bernd spachtelt Bambusrahmen
Der Bambusrahmen wird gewissenhaft verspachtelt

Nach 1 1/2 -2 Stunden war ich damit fertig. Der Bambusrahmen sieht schon fast fertig aus. Aber ich fürchte in den nächsten Wochen gibt es noch ein wenig zu tun. Über Nacht kann er jetzt aushärten und morgen könnte es eigentlich schon weiter gehen. Aber morgen habe ich leider keine Zeit und so muss ich das jetzt immer am Wochenende machen. 

Bambusrahmen fertig gespachtelt
Der Bambusrahmen am Ende von Tag 2. Sieht doch eigentlich schon fast fertig aus.

Als nächstes werden die modellierten Verbindungen glaube ich geschliffen. Wird bestimmt ein Riesen Vergnügen….

Jetzt kommen meine Klamotten erst mal in meine persönliche Kiste, damit nichts verloren geht!

Meine Box Bambusrahmen innnen

Tag 3 – Schleifen, Schleifen, Schleifen

Kiste Raus und los geht’s!

Am dritten Tag musste ich erst mal alles glatt schleifen. Auch wenn ich natürlich mit sehr viel Liebe am 2. Tag gespachtelt habe, sah der Rahmen ganz schön wild aus. Also habe ich mich mit einer ganz groben Holzfeile an den Rahmen begeben und versucht organische Formen zu schaffen, die nicht aussehen, wie ein Krebgeschwür.

Bambusrahmen Spachtelmasse abgeschliffen
Die Verbindungsstücke wurde in eine harmonischere Form gebracht

Wenn man ganz genau guckt, sieht man auch, wie gut mit das gelungen ist 😉

Bambusrahmen Spachtelmasse abgeschliffen Tretlager
Der Leihe staunt und der Fachmann wundert sich. So gut sieht das aus!

Hier muss man nach Möglichkeit eine Organische Form schaffen. Ganz pingelig muss man aber nicht sein, weil die Verbindungsstellen noch weiter verkleidet werden. Man sieht später also nicht jeden Fehler, sondern nur die ganz schluderigen.

Als nächstes wurde die Aufnahme für die Hinterradbremse eingebaut. Irgendwo muss das Ding ja befestigt werden und dafür hat Dan eine Schablone erfunden. Ich musste also nur an den markierten Stelen ein wenig Bambus raussägen und schon konnte ich den Alu-Klotz einbauen. Leider habe ich nicht genau zugehört und ein wenig zu viel rausgesägt. Aber nur an der rechten Seite. Das ist aber wohl nicht sonderlich schlimm, hat aber leider den Nebeneffekt, dass ich das mit der Epoxydharzspachtelmasse zukleistern muss und es großräumiger befestigen muss, als geplant.


So nämlich. Wenn das irgendwann aber Eingewickelt ist, wird keiner mehr mein Missgeschick bemerken, hoffe ich.

Als Nächstes kam die Kabelführung. Weder mein Bremskabel, noch die Beleuchtung soll nämlich außen am Rahmen befestigt werden und so habe ich 4 Löcher in das obere Rohr gebohrt. Gut hat sich das nicht angefühlt. Ich brauchte also wieder Unterstützung von Dan, der mir immer wieder gesagt hat, dass ich wirklich noch weiter bohren kann. Einfach senkrecht rein und den Akkuschrauber dann nach hinten drehen, dass ein nach vorne weisendes Loch entsteht und wir da eine Alustange als Kabelkanal reinstecken können.

das ging dann erstaunlich gut.

Die großen Löcher mit den Stangen drin wurden wieder mit dem Epoxidharz zugespachtelt und das dann abgeschliffen.

Als nächstes werden die Verbindungsstücke dann noch mal mit einem Flachs-Tuch eingewickelt. Aber der Kleber war irgendwie nicht mehr da und ich musste für diese Woche aufhören. Schnell noch ein Foto und ab nach Hause. 

Nächste Woche geht es weiter. Da werde ich dann den ganzen Tag damit beschäftigt sein, die Verbindungsstellen in das Textil einzuwickeln.

Tag 4 – mein Rad bekommt einen Anzug

So eigentlich denke ich mir an jedem Tag, dass mein Bambusrad ja schon fast fertig aussieht. Aber irgendwie sind für diesen Workshop 8 Tage eingeplant und da Dan ja 1. einen Plan für alle 8 Tage hat und das auch schon ab und zu gemacht hat, vertraue ich ihm einfach, dass ich noch nicht ganz am Ende bin. 

Angefangen habe ich mit dem Lenkrohr. Heisst das überhaupt so? Egal, Ihr wisst schon, welches Rohr ich meine. Den Flachs Stoff, der wirklich stabil ist, habe ich von vorne über die Kabelkanäle gezogen und dann an den Rohren festgeklebt. Die Klebe dient nur der Fixierung und wird hinterher noch durch Eloxidharz ersetzt. Daher ist es wichtig, mit der Klebe -Sprühflasche aus großem Abstand die Klebe auf den Stoff zu sprühen. Kommt man mit der Düse nämlich zu nah dran, dann sind die Klebetropfen zu groß und dringen in den Stoff ein, der dann kein Eloxi mehr aufnehmen kann. Das  führt dann unweigerlich zu Festigkeitseinbußen, die ich auf keinen Fall haben will. Der Stoff kommt dann in 3 Lagen auf alle Verbindungsstellen und an den Nähten wird er nochmals verstärkt.

Bambusrahmen mit Flachs am Lenkrohr

Eingeplant waren für das „Anziehen“ des Rahmens etwas mehr als 1 Tag, aber irgend wie ging es dann doch schneller. Ist ja auch mal was ganz nettes zur Abwechslung. Normalerweise kann ich mich immer an den blöden Spruch halten: „it takes longer than it takes and it costs more than it costs“ (wirklich saudoofer Spruch), aber dieses Mal war es anders. Es gibt wirklich schnell und gut und es hat Spaß gemacht. 

Ich habe dann noch schnell den Rahmen von der Plastikfolie befreit und in ein neues Plastikfolienkleid gehüllt, damit die ganzen abgeklebten Stellen wieder möglichst sauber sind. Dan fand das wohl etwas unnötig. Hat er zwar nicht gesagt, aber seine Blicke sahen so aus, als würde er mich auf einem ein wenig zu penibel finden…

Bambusrahmen mit Flachs am Tretlager bezogen
Bambusrahmen mit Flachs bezogen
Der Bambusrahmen scheint ein Leichtgewicht zu werden. 
Bambusrahmen mit Flachs bezogen am Ende von Tag 4
Der obligatorische Mug-Shot von meinem Bambusrahmen am Ende des Tages

Nächste Woche geht es weiter. Da wird dann mal wieder Eloxidharz benutzt. Bis dann will ich noch mal in meinem Lieblingsfahrradladen in Kreuzberg und mir die ersten paar Teile aussuchen. Bisher habe ich gedacht, dass ich mir vorne eine Shutter Precision Nabe kaufe, hinten eine Paul Comp Nabe, mit 23mm Reifen fahren werde. Als Tretgarnitur würde ich mir am liebsten auch eine von Paul kaufen. Oder von BLB. Da muss ich mich noch bequatschen lassen.

Zu den Reifen habe ich vorhin gelesen, dass auch 25mm Reifen ganz passen für mich sein könnten. Wahrscheinlich sogar noch viel passender. (hier). Mist. Jetzt muss ich mein Räderkonzept noch mal überdenken. Vor allem habe ich nicht wirklich viel Platz für dickere Reifen gelassen. 

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